Western

Der Western ist ein Kino-Genre, in dessen Mittelpunkt der zentrale US-amerikanische Mythos der Eroberung des (wilden) Westens der Vereinigten Staaten im neunzehnten Jahrhundert steht. Entsprechende Werke der Literatur werden meist als Trivialliteratur gewertet. Wesentliche Merkmale sind Handlungsort und Zeit: der westliche Teil des nordamerikanischen Kontinents während seiner Besiedlung durch die von Osten kommenden Siedler. Mit einem Einspielergebnis von rund 424 Mio. US-Dollar ist „Der mit dem Wolf tanzt“ der erfolgreichste Western an den Kinokassen, wenn er auch teilweise vom genreüblichen Strickmuster des Western abweicht.


Die Liste unserer besprochenen Filme in diesem Genre:

Definition des Genres: Der klassische Western ist in seinen handelnden Figuren, erzählenden Elementen, Orten und Stilmitteln stark festgelegt. Im Mittelpunkt stehen meist der gute, zuweilen naiv wirkende, aber wehrhafte Cowboy oder Sheriff und sein Konterpart, der skrupellose Bösewicht. Zwischen den Hauptakteuren steht häufig eine Frau, um die ein Kampf zumeist mit Revolvern oder Fäusten ausgetragen wird. Das Fort oder die kleine Stadt, der Saloon mit Whiskey und Kartenspiel, Pferde, Wagen, die weite Landschaft, die in gewaltigen Totalen eingefangen wird, und das Indianerdorf sind typische Orte der Handlung. Wichtige Elemente sind häufig auch ein Bankraub oder ein Postkutschenraub. Aufgelöst wird der Konflikt am Ende durch einen Shootout oder Showdown auf der Hauptstraße. Reizvolle, weil ungewöhnliche Kontraste zum verbreiteten Einerlei des Genres stellen die intelligent-bescheidenen Auftritte von Schauspielern wie Glenn Ford, James Stewart, Clint Eastwood und James Garner (Westernkomödie: Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe) dar.

Zwei zentrale Motive bestimmen das Genre: Zum einen die (Selbst-)Erfahrung an der Grenze, dem „Frontier Land“, beispielhaft in „Der mit dem Wolf tanzt“, in dem der Soldat John Dunbar nach einem missglückten und missverstandenen Selbstmordversuch während einer Schlacht im Bürgerkrieg die Armee verlässt, „um den Wilden Westen zu sehen, solange es ihn noch gibt“. Zum anderen die Erneuerung einer Gesellschaft durch Gewalt, die Wiederherstellung einer neuen, vitaleren und zivileren Ordnung, nachdem die alte Ordnung durch Gewalt zerstört wurde. Die vier Phasen der Geschichte der Eroberung des Westens – frühes Vordringen in die Wälder des Ostens während der englisch-französischen Besatzung mittels Pfadfindern und Indianer-Scouts, Landnahme des Westens durch Planwagen-Trecks und kleine Siedler, Übergang zur zivilisierten Gesellschaft und schließlich Beendigung der Entwicklung durch Eisenbahnbau, Indianerkriege und Bürgerkrieg – schlagen sich in den einzelnen Filmen entsprechend nieder.


Geschichte des Western: Am 1. Dezember 1903 kam mit Der große Eisenbahnraub der erste Western ins Kino, zu einer Zeit also, als es den wilden Westen fast noch tatsächlich gab. Von da an liefen jede Woche neue, zumeist einfache Produktionen im Stile von Broncho Billy in den Kinos an, die sich auf action- und gewaltgeladene Konfrontation zwischen den Hauptfiguren konzentrierten und sich wenig mit Psychologie, komplexen Charakteren und Handlungen beschäftigten. Bis in die siebziger Jahre hinein kann man den Western als das wichtigste Genre der Filmproduktion der USA bezeichnen, wobei die vierziger und fünfziger Jahre als der Höhepunkt der Entwicklung gelten dürfen.

Die Ikonografie des frühen Western hat besonders von dem Maler Frederic Remington (1861–1909) gelebt, der seinerseits die Fotografien Eadweard Muybridges kannte. Ford schätzte später diese „volkstümliche und unakademische, aber durchaus artifizielle Ästhetisierung des Traditionellen“ seiner Werke, wie auch Hawks eine umfangreiche Sammlung von Drucken und Gemäldekopien nach Werken von unter anderem Remington und Charles M. Russell besaß. Ford übernahm Remingtons Kadrierung und die Behandlung des Raumes seiner Bilder. Der Maler Charles Schreyvogel, der sein Handwerk noch als Zuschauer in Buffalo Bills Wild-West-Show lernte, nahm auf monumentalen Leinwänden die Wirkungsweise des Filmbilds vorweg. Die Maler Thomas Moran und Albert Bierstadt waren lyrischer, zugleich aufrichtiger.

Mit nur drei Western gelang es John Ford, das Genre grundsätzlich zu verändern. Ist sein Darsteller John Wayne zuerst noch ein makelloser Held oder väterlicher Offizier, bleibt am Ende von Der schwarze Falke, einem der komplexesten und vielschichtigsten Western, nur ein rachsüchtiger Einzelgänger, der genauso verloren und heimatlos ist wie die von ihm erbittert gejagten Feinde. Von nun an konnte es keine einfache Schwarz-weiß-Zeichnung der Protagonisten mehr geben.

Eine davon optisch und inhaltlich deutlich zu unterscheidende Sonderrolle nehmen die 1962 mit Der Schatz im Silbersee beginnenden Karl-May-Verfilmungen der im wilden Westen spielenden Romane von Karl May ein, die sich neben der durch die anderen Drehorte bedingten Bildästhetik auch durch ein deutlich indianer-freundlicheres Bild von den US-amerikanischen Produktionen abheben und in denen vor allem die Heldenfiguren Winnetou und Old Shatterhand beispielhaft für die mögliche Verständigung zwischen Indianern und Bleichgesichtern stehen. Noch deutlicher auf die Seite der Indianer schlugen sich die 1966 mit Die Söhne der großen Bärin beginnenden DEFA-Indianerfilme.

Aufgrund der Unverrückbarkeit seiner Elemente nahm der Western zunehmend eine Entwicklung nach innen, in die Tiefe. Dies geschieht oft durch fast unmerkliche Verschiebungen. Der Showdown in Spiel mir das Lied vom Tod steht immer noch im Zentrum des Films, untersucht man jedoch die Szene genau, stellt man fest, dass das anachronistische Duell zwischen Henry Fonda und Charles Bronson nicht auf der Hauptstraße der Stadt stattfindet – dort wird gerade die Eisenbahn gebaut, Symbol für die neue Zeit –, sondern auf einem Nebenschauplatz, dem Hinterhof einer Farm.

Ohne Orte, Figuren und Handlungsablauf anzutasten, entstanden der epische, der psychologische Western und schließlich, Ende der 1960er und Anfang der 1970er nahtlos an das Ende des klassischen Westerns anknüpfend, der Spät-Western und Italo-Western, die wesentlich schonungsloser, zynischer und auch zuweilen realistischer mit ihrem Sujet umgehen. Seitdem folgte mit den Filmen Der mit dem Wolf tanzt, Erbarmungslos, Dead Man, The Missing und nicht zuletzt Django Unchained in unregelmäßigen Abständen ein Revival dieses immer wieder totgesagten Genres. –Quelle (Wikipedia)