Biopic

Eine Filmbiografie, auch Biopic (vom engl. biographical und engl. motion picture), bezeichnet einen Film, der in fiktionalisierter Form das Leben einer geschichtlich belegbaren Figur erzählt. Das Biopic ist eines der ältesten Filmgenres. Der Begriff entstand 1951 und wurde zum ersten Mal im US-Fachblatt Variety verwendet. In einem Biopic muss nicht die Lebensgeschichte einer realen Person von der Geburt bis zum Tod erzählt werden, es genügt vielmehr, dass ein oder mehrere Lebensabschnitte zu einem filmischen Ganzen dramaturgisch verknüpft werden. Ein zentrales Kriterium des Biopics ist die Nennung des Namens der realen Person. Meistens wird im Biopic vorausgesetzt, dass die dargestellte Person gesellschaftliche Relevanz besitzt.


Die Liste unserer besprochenen Filme in diesem Genre:

Genrediskussion

Charakteristika: Neben den klassischen Genres der Filmwissenschaft wie Western, Horror, Musical, Komödien, Kriegsfilmen, Science-Fiction oder Thriller hat sich auch die Kategorie des Biopic etabliert. Genres an sich sind von großer Bedeutung, denn sie wecken beim Zuschauer eine gewisse Erwartungshaltung. Zwar findet man in unterschiedlichen Werken auch unterschiedliche Genre-Einteilungen, die meisten Nachschlagewerke führen das Biopic jedoch als eigenständiges Genre auf, so auch die größte Filmdatenbank im Internet „Internet Movie Database“ oder das „Handbook of American Film Genres“ von W.D. Gehring.

Hauptfigur: Das Biopic schildert das Leben einer historisch belegten Persönlichkeit. In den meisten Fällen ist diese Person bereits tot, in einigen Fällen greift man auch zu Personen aus der Gegenwart. Es eignet sich nicht jede Person für einen Biopic. In seinem Buch Bio/Pics geht George F. Custen davon aus, dass meistens Personen verwendet werden, deren Leben sich durch Berühmtheit auszeichnet. Wie genau Berühmtheit zu messen ist, ist von Generation zu Generation und von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich. Während in der Vergangenheit zahlreiche Biopics über historische Gestalten gedreht wurden, eignen sich in der jüngsten Vergangenheit auch Personen aus Kultur und Medien dafür. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Hauptperson gleich zu Beginn des Films eingeführt werden muss. Im Film Mata Hari (1931) wird die Hauptperson erst nach mehr als fünf Minuten gezeigt und dies obwohl der Film mitten in der Geschichte einsetzt. Führt ein Biopic die Hauptperson gleich zu Beginn ein, kann dieses sowohl mit der Kindheit der Person beginnen, als auch mit dem Erwachsenenalter. Der stabile Designator in einem Biopic ist der Name: ein Biopic verwendet meist den wirklichen Namen der Person. Somit kann man folgendes Kriterium zur Bestimmung eines Biopic festhalten: der reale Name der Hauptperson muss genannt werden.

Titel: Viele Biopics tragen den Vor- oder Nachnamen, oder den vollständigen Namen der Person im Titel. Es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Personen aus der Politik, Geschichte oder Populärkultur handelt. Außerdem wird häufig auch der Spitzname der Person verwendet, meistens in Biopics über Personen der Populärkultur. Zu den Namen können Formulierungen wie „The Story of […]“ oder „The […] Story“ hinzugefügt werden, aber auch Ergänzungen wie „Life“, „Great“ oder „Young“. Diese Ergänzungen können auch im Zusatztitel eingefügt sein. Doch nicht immer muss die Hauptperson im Titel vertreten sein. Einige Biopics greifen da z. B. zu bekannten Werken oder Entitäten aus dem Leben der Personen, z. B. in An Angel at my Table (1990). Andere greifen zu Titeln die auf den ersten Blick nicht auf ein Biopic schließen lassen, wie z. B. Ein Mann wie EVA (1984). Diese Titel beruhen meist auf thematischen Assoziationen mit der Hauptperson oder auf experimentellen Formen.

Sonstige Charakteristika

Der Filmwissenschaftler Taylor bezeichnet das Biopic als ein Chamäleon-Genre, da es selbst keiner eigenen Stilrichtung folgt und somit keinen distinktiven „Look“ hat. Trotz des Status des Biopic als eigenständiges Genre benutzt man häufig eine zweite oder dritte Kategorie, wenn man über einen Biopic spricht, ein sogenanntes Hilfsgenre. So z. B. wird Schindlers Liste (1994) auf http://www.imdb.com sowohl als Biopic, als auch als Drama und Kriegsfilm gelistet. Laut Taylor ist dies auf die schwache narrative Kodierung des Genres zurückzuführen, die eine Verwendung von Hilfsgenres nötig macht. Vielmehr prägt das Hilfsgenre die stilistische Gestaltung eines Biopic. In den meisten Fällen beinhalten Biopics sogenannte „Titel Cards“, die entweder am Anfang oder am Ende des Films eingeblendet werden und den Zuschauer darüber informieren, dass der gezeigte Film auf wahren Begebenheiten beruht. Außerdem können die „Titel Cards“ Informationen zur Biografie der Hauptperson enthalten oder dabei helfen, den Film in einen historischen Rahmen einzuordnen. Ebenfalls häufig verwendet wird die Rahmenerzählung. So leitet der erwachsene Protagonist David Helfgott den Film Shine (1996) ein. Wenig später erzählt der Film dann dessen Kindheit. In solchen Fällen erhält der Zuschauer eine Orientierungshilfe dank der eingeblendeten Jahreszahlen und Ortsangaben. Dies kann z. B. auch in Form von Zeitungsausschnitten passieren. Aber auch die komplette Absenz von Zeiteinblendungen ist möglich, Zeitsprünge werden in solchen Fällen mit Hilfe von Fotosequenzen oder „Voice-Overs“ überbrückt.

Darstellungsformen des Todes: Sollte der Tod der realen Person thematisiert werden, gelten auch dafür im Biopic ungeschriebene Gesetze. Zum einen kann festgehalten werden, dass, sofern die reale Person zum Zeitpunkt der Entstehung des Films tot ist, auch das Biopic häufig mit ihrem Tod endet. Die Tatsache, dass das Biopic überhaupt mit dem Tod endet, ist sicherlich verwunderlich, denn Hollywood legt beim Mainstream-Film besonderes Augenmerk auf das „Happy End“. Man könnte nun einwenden, dass der Tod ein zentraler Teil von vielen Hollywood-Filmen ist. Es ist jedoch in den seltensten Fällen die Hauptfigur die stirbt – ausgenommen in Tragödien.[10] Die Darstellung des Todes nimmt einen besonderen Teil im Biopic ein. Dem Zuschauer bleibt z. B. der schnelle Tod der Hauptdarstellerin in Isadora (1969), aber auch der lange, scheinbar ewig andauernde Todeskampf in Molière (1978) in Erinnerung. Das verwendete stilistische Mittel hängt dabei vom Hilfsgenre ab (z. B. durch den Einsatz von Musik, Montagetechnik und Kameraeinstellungen wird die jeweilige Szene dem Hilfsgenre angepasst). Der Tod kann auch die Form einer Idee annehmen, z. B. in dem Film Tschapajew (1934), in welchem der Zuschauer vom Tod des Hauptdarstellers ausgehen kann, dessen Leichnam jedoch nicht zu sehen ist. Oliver Stone zeigt in The Doors (1990), dass der Tod nicht unbedingt das Ende bedeuten muss, auch im Biopic nicht. Der Hauptdarsteller erscheint, angelehnt an christliche Motive, nach seinem Drogentod als Jugendlicher. –Quelle (Wikipedia)