Festivalbericht: Genrenale 3 – Kill Your Darlings

„Der deutsche Genrefilm ist tot“, ist eine bereits reichlich abgedroschene Phrase, welche sich aber bis heute eisern in verschiedenen Foren hält und auch von so gut wie jedem größeren deutschen Produzenten ausgesprochen wird. Wer heutzutage einen guten deutschen Horror-, Sci-Fi- oder Actionfilm auf die Beine stellen will, braucht einen langen Atem und vor allem viel Geduld. Doch wer sich schon einmal ausführlich mit deutscher Genreware auseinander gesetzt hat, der weiß, wie viel Potenzial und Talent auch hierzulande in den meist jungen Filmemachern schlummert. Und so bietet z. Bsp. der Shocking Shorts-Award bereits seit vielen Jahren eine Plattform für entsprechende Kurzfilme aus Deutschland. Und seit 2012 gibt es nun auch ein Festival für genau diese Gattung Film: Die Genrenale, welche dieses Mal unter dem Motto „Kill Your Darlings“, nun in ihrem glorreichen dritten Jahr ist.

Paul Andexel und Krystof Zlatnik wollen endlich Schluss machen mit den Vorurteilen gegenüber dem deutschen Genrefilm und aufzeigen, dass hierzulande weit mehr möglich ist, als nur Betroffenheitsdrama und Comedy. Vor zwei Jahren mit einer 90 minütigen Show gestartet, wurde bereits im letzten Jahr ein ganzer Tag vollgestopft mit Genre-Kurzfilmen, welche auf der großen Leinwand im Berliner Babylon präsentiert wurden. Der Zuspruch war groß, mehr als 600 Besucher konnte das kleine Festival an diesem Tag zählen. Ganz klar also, dass es weitergeht mit dem Festival und das möglichst in noch größerer Form. Per Crowdfunding finanziert und durch gute Kontakte, welche in den letzten beiden Jahren geknüpft werden konnten, sowie über 120 Filmeinreichungen, ist die Genrenale im Jahre 2015 nun schon auf zwei proppenvolle Tage gewachsen.

Genrenale 3
Copyright by Daniel Gregor

Nun muss größer, bekanntlich, nicht immer besser sein, doch bei der Genrenale ist dies glücklicherweise der Fall. Was Andexel und Zlatnik hier für zwei tolle Festivaltage zusammengebaut haben, muss man selbst erlebt haben. Insgesamt sechs Shortfilm-Blocks a ca. 120 Minuten, 3 Langspielfilme, eine Podiumsdiskussion, sowie ein Storybord-Pitching wurden zusammengestellt, zzgl. einer großen Premierenparty zur Deutschlandpremiere von Radio Silence, zu der massig, mal mehr mal weniger bekannte, Prominenz vor Ort war. Aber auch zu nahezu jedem Kurzfilm konnten Darsteller, Regisseure, sowie weitere Crew-Mitglieder gewonnen werden. Hierbei sei vor allem die Crew zu Fuck erwähnt, zu der auch unsere liebe Kollegin Bea Festerling gehört, welche bei diesem Shorty für den Schnitt zuständig war.

In Sachen Filmauswahl war natürlich nicht alles Gold was glänzt, doch unterm Strich konnten wirkliche Nieten kaum ausgemacht werden. Alle Filme spielten sich zwischen „mindestens solide“ bis „absolut ausgezeichnet“ ab. Ob Splatter, Sci-Fi, Horror, Black Comedy oder Film Noir, von allem war etwas dabei, so dass ein jeder Besucher irgendwo sein Highlight finden konnte. Unsere Highlights verraten wir Euch jedoch noch nicht, dieses Geheimnis werden wir Euch kurz und knackig in einer bald kommenden Sendung lüften. Aber soviel sei versprochen, nicht nur die Kurzfilme waren klasse, auch bei den Langfilmen konnte sich vor allem ein Film sehen lassen.

Abseits vom Filmegucken bot die Genrenale dann auch die Möglichkeit sich über anstehende Projekte zu informieren. In einer knapp einstündigen Veranstaltung, dem sogenannten „Pitching“, stellten junge und gestandene Filmemacher ihre Ideen vor, mit dem Ziel, auf sich und ihre Projekte aufmerksam zu machen. Insgesamt neun Ideen fanden ihren Weg in diese Veranstaltung und durchgehend konnte man von guten Ideen sprechen, die es verdient haben umgesetzt zu werden. Welche es letztendliche schaffen, werden wir hoffentlich bald mit eigenen Augen sehen können.

Des weiteren gab es dann noch die Podiumsdiskussion zum Thema „Der unsichtbare Doppelgänger – Storytelling und Identität des deutschen Genrefilms“, welcher wir jedoch leider, aus Zeitgründen, nicht beiwohnen konnten. Ähnlich erging es uns leider auch bei der Premierenparty von Radio Silence welche erst ab Mitternacht für das „einfache Volk“ zugängig war und schon nach wenigen Minuten so voll war, dass wir leider vom Türsteher mit den Worten „Einlassstopp“ abgewiesen wurden. Aber immerhin lief uns draußen dann doch noch der ein oder andere Promi über den Weg, wie Charles Rettinghaus, dem, im positiven Sinne, haarsträubenden Killer aus besagtem Film, welcher sich sogar zu einem kleinen Späßchen mit uns niederließ.



Zum Abschluss am Donnerstag gab es dann noch eine weitere Premiere bei der Genrenale: eine Siegerehrung. Gleich mehrere Preise wurden verliehen. Neben vier Auszeichnungen, welcher von einer filmunabhängigen Jury, für bester (Kurz-)Film, bester Darsteller und beste Darstellerin, sowie dem überraschendsten/mutigsten Film, gewählt wurden, gab es auch den Anti-Mainstreampreis von Tele 5, sowie den The Boll-Preis, gestiftet vom Namensgeber persönlich . Wer diese Preise gewonnen hat, könnt ihr am Ende des Berichts lesen.

Unterm Strich kann die dritte Genrenale jedenfalls als voller Erfolg gewertet werden. Nicht nur, dass die Filmauswahl stimmte und das Umfeld, mit freien Donuts, genügend Pausen, interessanten Spezialveranstaltungen und gut gelaunten Inszenatoren, sowie redseligen Prominenten überzeugte, so konnte auch das Publikumsinteresse noch einmal deutlich gesteigert werden. Während am ersten Tag vor allem bei Radio Silence kaum ein freier Platz noch zu finden war, konnte am zweiten Tag schon die 11:30 Uhr-Vorstellung als gut besucht und die Vorstellung um 15:30 Uhr als brechend voll angesehen werden. Somit steht es sicherlich außer Frage, dass der Berliner Bär auch 2016 wieder ein ums andere Mal sein Leben lassen muss, wenn er in den Kurzanimationen des Festivals mal von Dinosauriern, mal von Samurais oder mal von UFOs brutal um die Ecke gebracht wird. Wir werden auf alle Fälle wieder für Euch dabei sein!

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Übrigens, wie bereits im Text angekündigt, werden wir Euch in kürze noch eine Show zum Festival auf die Lauscher drücken, bei dem wir Euch einige ausführliche Interviews mit den Hauptdarstellern Markus Knüfken und Charles Rettinghaus und den Regisseuren Marco J. Riedl und Carsten Vauth von Radio Silence präsentieren werden, sowie unsere persönlichen Filmhighlights. Also einschalten!

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Und hier noch die Gewinner des Festivals:

– Killer Performance (weiblich): Yvonne Yung Lee in AU PAIR
– Killer Performance (männlich): Butz Buse für GUMMIFAUST

– What the Fuck (der überraschendste/mutigste Film): ANTI CUPIDO
– Best Film: FREE MONKEYS

– Anti-Mainstream-Preis 2015 (Tele 5): DER JACKPOD
– The Boll (Uwe Bolls Favorit): BERLIN TROIKA

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2 Gedanken zu „Festivalbericht: Genrenale 3 – Kill Your Darlings

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