Young Ones

Cowboys, Robots and everything – Jake Paltrow will mit YOUNG ONES zu viel auf einmal stemmen – und verhebt sich.

YOUNGONES_WEBPOSTERBeeindruckende Bilder einer wüstenhaft vertrockneten Landschaft, irgendwo im nicht allzu fern in der Zukunft angesiedelten Amerika, eröffnen YOUNG ONES, Jake Paltrows zweiten Spielfilm, bei dem er nach THE GOOD NIGHT (2007) ebenfalls wieder für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet. In einer geisterhaft-dystopischen Westernatmosphäre führt er den Zuschauer in visuell pointierten Bildern in medias res in die Story und ihr Setting ein: Ein Mann und sein Sohn ertappen zwei Plünderer auf ihrer Ranch auf frischer Tat, stellen sie zur Rede, werden von den beiden angegriffen und der Vater erschießt sie, ohne mit der Wimper zu zucken – ein harter Hund ist er, dieser Ernest Holm (Michael Shannon), der seinem Sohn das schwere Überleben in einer gnadenlosen Welt beibringen will. In der von den meisten Menschen bereits verlassenen, vormals bewirtschafteten, ländlichen Gegend trotzen nur noch ein paar Wenige den unwirtlichen Gegebenheiten, unter ihnen Ernest und seine Kinder Mary (Elle Fanning) und Jerome (Kodi Smit-McPhee). Die anderen sind in die noch gut versorgten Großstädte gezogen. Ernest verteidigt seine Farm stoisch und mit Härte, denn er will sein einst fruchtbares Land wieder zum Leben erwecken, indem er eine Wasserleitung von der in den nahegelegenen Bergen geplanten Pipeline abzweigt. Der Nachbarssohn Flem (Nicholas Hoult), der eine heimliche Liebschaft mit seiner Tochter Mary unterhält, tut alles, um ihm sein unter der Trockenheit noch fruchtbares Land abzujagen. Dafür bringt er Ernest zunächst in Ungnade bei der Firma, die die Pipeline durch das Land zieht, und nutzt diesen Vorteil dann gnadenlos aus – Flem bemächtigt sich Ernests Hab und Gut und auch seiner Familie. Er übernimmt den Platz des Ernährers. Jerome, durchschaut jedoch langsam die niederträchtigen Machenschaften seines Schwagers und setzt zum Racheschlag für seinen Vater an.

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Ein klassischer Stoff, der vor dem Hintergrund der dystopischen Westernlandschaft eine spannende Aktualisierung erfahren hätte können. Jedoch legt sich das Script einige Stolpersteine selbst in den Weg: Im ersten Kapitel wird Ernest Holm als Identifikationsfigur mit einer noch unklaren Vorgeschichte eingeführt – er will seine einst intakte Familie wieder zusammenschweißen, die Rekultivierung seines verdorrten Landes ist der Schlüssel hierzu: Landwirtschaftliche und emotionale Bewässerung soll alle Probleme lösen. Paltrow beginnt hier mit einer klassischen Exposition, auf die er eine emotionale wie auch äußere Krise und deren Lösung aufbauen könnte, jedoch wechselt er die Perspektive, erzählt in einem klar abgesetzten zweiten Kapitel aus Sicht des Rebellen Flem weiter. Dieser wurde indes als klarer Gegenspieler der Identifikationsfigur Ernest etabliert und so verfliegt das Interesse des Zuschauers nach dem ersten Drittel des Films zunehmend. Zu lange dauert es, bis sich im dritten Kapitel der Fokus zu Ernests Sohn Jerome verschiebt, der seinen Vater rächt und somit rein formal wieder Ordnung herstellt. Er dient wieder als Identifikationsfigur und nimmt die Bürde des Rächers und Familienoberhaupts ähnlich stoisch wie bereits sein Vater auf sich. Doch fällt dieser Akt so kurz aus, dass auch Kodi Smit-McPhee mit seinem sehr souveränen Spiel kaum noch die verloren gegangene Aufmerksamkeit wiederbeleben kann.

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Mit vielen futuristischen Details versucht Paltrow, diesen dünnen und ähnlich dem Setting dehydrierten Plot aufzuwerten und die sehr schemenhaften Figuren und ihren Konflikt zusammenzuhalten: Die durch ein Unglück verletzte Mutter ist nur noch durch ein wild zischendes und an Deckenschienen gebundenes Ektoskelett in der Lage, sich zu bewegen. Ihr Unfall ist wohl zentraler Bestandteil der familiären Zerrüttung, im letzten Kapitel des Films gerät sie jedoch gänzlich in Vergessenheit. Auch der an die Walker in THE EMPIRE STRIKES BACK (1980) erinnernde, für die Landwirtschaft und Hausarbeit genutzte Roboter, den Ernest kauft, wirkt eher fehl am Platze. Seine einzige Daseinsberechtigung scheint die plötzlich entdeckte Onboard-Kamera zu sein, die Jerome Flems Betrug an der Familie erkennen lässt und somit seinen Vergeltungsschlag auslöst.

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Die brisante, den Anfang des Films überschattende, Problematik der Wasserknappheit hat das Zeug zur dunklen Dystopie. Die zu Beginn eindrucksvolle Verquickung mit der Westernästhetik hätte den Film in eine Liga mit THE ROAD (2009) befördern können. Der hervorragende Cast hätte dies ohne Probleme getragen: Michael Shannon spielt Ernest mit gewohnter Souveränität, er vermag der nur schemenhaft gezeichneten Figur einen tief sitzenden inneren Konflikt einzuschreiben, hinter dem immer wieder in emotionalen und physischen Extremsituationen durchbrechenden Alkoholsucht schimmern tiefersitzende, verborgene Wunden hindurch. Mehr gibt die Rolle jedoch nicht her. Ähnlich ergeht es Kodi Smit-McPhee, Elle Fannings unumstrittenes Talent wird mit der eindimensionalsten aller Figuren gänzlich verheizt. Leider wird der Krieg um das Wasser nur am Rande verhandelt und zum Mechanismus für den dünnen Plot degradiert.

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Jake Paltrow will zu viel in seinem zweiten Film: Western, künstliche Intelligenz, Kampf um Rohstoffe, Endzeitvision, Coming-of-Age-Story, Familiendrama – all dies hält nicht so recht zusammen, weniger wäre wohl mehr gewesen, denn in den ersten Minuten des Films zeigt er, dass er den endzeitlichen Western durchaus drauf hätte: Er hat ein Auge für packende Bilder, sein Kameramann Giles Nuttgens weiß diese einzufangen. Er verläuft sich in zu vielen angedeuteten Einzelheiten und vergisst darüber seine Figuren und den Plot, weshalb YOUNG ONES letztendlich nur einer von vielen durchschnittlichen Versuchen an klassischen Themen bleibt und zum wild durcheinander gewürfelten Potpourri aus Genreversatzstücken zerfällt.

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Young Ones, USA 2014 – Regie: Jake Paltrow. Drehbuch: Jake Paltrow. Kamera: Giles Nauttgens. Darsteller: Michael Shannon, Nicholas Hoult, Kodi Smit-McPhee, Elle Fanning. Quickfire Pictures, Bifrost Pictures, Spier Films. Verleih: Ascot Elite, 100 Minuten. DVD-Release: 18.11.2014.

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