Discopath

Seit dem 31.10.2014 auf DVD & Blu-ray im Handel erhältlich.

Hach ja, die 80er. Eine Zeit, in der vor allem zwei Genres, welche unterschiedlicher kaum sein könnten, ihre Hochkonjunktur hatten. Discomusik und Slasherfilme. Währen der hippe und bewegungssüchtige 80er-Jahre Teen in den Discos zu den neusten Beats abtanzte, gab sich der geneigte Horrorfreak im gemütlichen Kämmerlein lieber den neusten Maniac-Streifen. Dass diese beiden so unterschiedlichen Formen der Unterhaltung einmal zusammengewürfelt werden und dabei dennoch ein gelungenes Ganzes herauskommt, dass hätte sicher niemals jemand erahnt. Doch mit Discopath zeigt der französische Regisseur Renaud Gauthier, dass es geht.

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Discopath erzählt davon, wie sehr man doch ausrasten kann, wenn man sich der ach so fröhlichen Disco-Mucke hingibt. Die Story dreht sich um den jungen Psychopathen Duane Lewis, welcher immer dann fröhlich das Metzeln beginnt, wenn er Discomusik hört. Dann gibt es für ihn kein Halten mehr und er meuchelt eine Schönheit nach der Anderen nieder, vorzüglich mit scharfen Schallplatten, Tonbändern und noch so manch anderem illustren Mordwerkzeug. Der Hintergrund: er musste mit ansehen, wie sein Vater, bei dem Genuss von einem dieser Songs, einen tödlichen Stromschlag bekam. Nachdem ihm die Polizei in New York langsam auf die Schliche kommt, flieht Duane nach Montreal, um dort an einem Internat als Hausmeister zu arbeiten. Doch die Discomusik holt ihn auch dort schnell ein… Ja, was die Geschichte angeht kann man wirklich nicht meckern. Sie ist, für einen Slasher, durchaus innovativ und nur so vollgestopft mit schrägen Ideen. Auch wenn natürlich viel auf den schon ausgetretenen Pfaden eines Schlitzerfilms gewandelt wird, so darf man sich dennoch auf ein durchaus makaberes Vergnügen einstellen, welches irgendwie, trotz oder gerade wegen seines Retro-Charmes, erstaunlich frisch wirkt.

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Diesen erzielt Discopath vor allem dadurch, dass er sich als tiefe Verbeugung vor William Lustigs Maniac versteht. Schon wenn man das Cover begutachtet, auf dem ein Mann zu sehen ist, der in der linken Hand ein blutiges Messer und in der rechten Hand einen abgetrennten Frauenkopf hält, weiß man, wie sehr Lustigs Film hier Vorbild war. Denn das Poster zu seinem Film bietet dieses Motiv in ähnlicher Form. Und wie schon bei Maniac steht hier der Killer im Focus des Treibens und nicht eines seiner Opfer. Und der Score von Bruce Cameron klingt derart ähnlich wie Jay Chattaways eindringliche Maniac-Filmmusik, dass man fast schon von einem Plagiat reden könnte. Wäre da nicht die schon angesprochene Discomusik, welche immer wieder die düstere Stimmung durchbricht. Dass das immer wieder spielende Stück „I was made for loving you“ von KISS auch als Musik dieses Genre gilt ist dabei zwar durchaus diskutabel, aber irgendwie passt es dennoch ganz gut.

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Tja und wenn diese Musik erklingt, dann wird es blutig und das nicht zu knapp. Denn ganz im Stile von Maniac hat es auch Duane Lewis vorzüglich auf weibliche Opfer abgesehen. Anders als bei Frank Zito sind die Hintergründe jedoch nicht aus purem Hass auf das zarte Geschlecht anzusehen, der durch seine herrschsüchtige Mutter ausgelöst wurde, sondern schlicht und ergreifend in der Musik, die vornehmlich beim weiblichen Publikum gut anzukommen scheint. Dann wird es doch erstaunlich saftig, wenngleich hier meist eher die Ergebnisse von Duanes Treiben zu erkennen sind und die Grausamkeiten selbst im Off geschehen. Aber für den geneigten Splatterfan ist doch genug an saftigem Rot vorhanden, als dass er enttäuscht sein dürfte. Und krank genug wirkt das Szenario allemal, so dass der rote FSK-Flatschen für die ungekürzte Fassung wieder einmal ein Wunder ist.

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Die Blu-ray aus dem Hause Mad Dimension kann in Sachen Bild- und Tonqualität überzeugen, wenngleich einem die Originaltonspur mehr ans Herz gelegt sei, als die deutsche Synchrofassung. Zwar kann man mit dieser auch durchaus zufrieden sein, doch der Film ist im Original zweisprachig, nämlich ein Mix aus englisch in den New York-Szenen und französisch (mit engl. Untertiteln) in den Montreal-Szenen. Die deutsche Fassung ist dagegen durchgehend einsprachig, so dass der sprachliche Unterschied hier vollkommen verloren geht. Das Bild überzeugt in Sachen Schärfe und Farbwiedergabe, sowie mit einem sauberen Kontrast. Nur in Sachen Extras gibt es mal wieder nix zu sehen, außer ein paar Trailer.

Unterm Strich sei Discopath daher jedem ans Herz gelegt, der an Maniac damals seine Freude hatte und das Gefühl nachvollziehen kann, dass zu viel Discomusik die Synapsen durchbrennen läßt. Ein schönes Stück Retro-Gekröse, welches man sich durchaus einmal geben kann.

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