Joe – Die Rache ist sein

Seit 23.10.2014 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

„Er hat eine Menge Narben, aber alle Anderen sind tot“. Diese lobenden Worte findet Joe für seinen Hund, nachdem er einen Kampf gegen einen Artgenossen siegreich beendet. Jene Beschreibung passt aber auch treffend zu seinem Herrschen, gezeichnet von einem Dasein mit selbstzerstörerischer Lebensweise und sporadischen Gastspielen im Gefängnis. In der Gegenwart arbeitet er für die Holzindustrie. Er leitet eine Gruppe von Waldarbeitern, die schwache Bäume „illegal“ vergiften, damit sie „legal“ gerodet werden können um stärkeres Holz zu pflanzen. Die Arbeit ist hart, der Verdienst aber vergleichsweise gut, für eine Gegend in der schon lange keine festen Jobs mehr vakant sind. Als der fünfzehnjährige Gary nach einer Beschäftigung fragt und sich am Probetag geschickt anstellt, wird er zu seinem Schützling. Bald wird dieser größere Probleme haben, als er bewältigen kann und flüchtet vor finsteren Gesellen und seinem Vater zu Joe. Auf sein eigenes Leben pfeifend stellt dieser sich vollständig in den Dienst der Gerechtigkeit, seiner Gerechtigkeit.

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Einen inhaltlichen Einblick zu vermitteln fällt mir sehr schwer, teilen sich doch drei Charaktere den Hauptdarsteller und bekommen von Drehbuchautor Gary Hawkins circa das gleiche Pensum an Erscheinungen zugesprochen. Separat werden die einzelnen Leben von Joe, Gary und dessen Vater Wade beleuchtet und zeigen in jedem Fall die sozial völlig unterprivilegierten Zustände ihres Alltages. Joe ist, trotz seines aggressiven Auftretens, ein Sympath. Gary ist der strebsame Teenager, der durch Arbeit seine Familie retten möchte und sein Vater ist ein abgehalfterter Säufer, der so tief gesunken ist, dass er auch vor einem Mord nicht zurückschreckt um an eine halbe Flasche Schnaps zu kommen. Drei Wege, eine Kreuzung, ein Ende.

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In vielen Medienberichten um Joe – Die Rache ist sein taucht folgende oder ähnliche Zeile auf: Nicolas Cages beste Leistung seit Langem. Anmerken möchte ich, dass der Film großartig ist und Lob in jeder Form verdient. Die Leistung von Cage ist ebenso positiv hervorzuheben, aber sein Stil ist kein andere als der in seinen letzten Produktionen. Der Schauspieler ist immer nur so gut, wie das Drehbuch seinen Auftritt schreibt. Cage nimmt fast jeden Job an, was sicher auch seiner allbekannt misslichen Finanzlage geschuldet sein wird. Es hat eben lange gedauert bis etwas Eindringliches und Gutes auf seinem Tisch lag, statt der sonst üblichen B-Movies. Den Oscar bekam der Neffe von Francis Ford Coppola 1996 für seine Leistung in dem Drama Leaving Las Vegas. Diese Rolle ist nicht weit entfernt von der des Joe, auch er ist Alkoholiker, wie sein preisgekrönter Ben Sanderson. Mit The Tree of Life (2011) und MUD – Kein Ausweg (2012) gab Tye Sheridan gute Referenzen für seine frische Karriere ab. Seine Rolle des Gary in Joe ist ein weiteres kräftiges Werk an dem er sich erneut beweisen konnte. Gary Poulter spielt den unausstehlichen Vater und Regisseur David Gordon Green (Bekannt durch einfühlsame Dramen – Engel im Schnee, 2007 – und auch schrägen Komödien – Ananas Express, 2008) arrangierte ihn direkt von der Straße weg. Seine Darstellung war wenig Schauspiel und viel Realität. Laut Green könnte sein Part ein Biopic sein, kannte er doch jenes Leben gut, in welchem seine Figur marodiert. Kurz nach den Dreharbeiten starb er nach seinem ersten und letzten Leinwandauftritt.

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Er ist unter anderem ein maßgeblicher Teil dafür, dass die Atmosphäre in diesem Drama einen bitteren Realismus erfährt. Zudem steuert die heruntergekommene Kleinstadt mit ihrem Supermarkt, der Kneipe, den Wohnhäusern und all ihren verlebten Bewohnern, ihren Anteil dazu bei. An diesem Ort möchte man nicht sein. Ein Welt ohne schöne Plätze, einer Mann-gegen-Mann-Attitüde, bei der der Stärkere gewinnt und das Gesetzt und deren Vertreter müde belächelt werden. Als Paradoxon ist Joe ein Teil dieser Welt und kämpft ebenso gegen sie an. Man kann seine Wut regelrecht spüren und am Ende vermag es Cage sogar, sie auf den Zuschauer zu übertragen. Das hat er wahrlich noch nie vermocht und die überbordenden Jubelrufe einiger Kollegen finden ein gewisses Verständnis.


Joe – Die Rache ist sein ist großes Milieu-Kino, mit Ecken und Kanten, einem ungeschönten Blick auf eine vorstellbare Realität in einer Zeit in der zu viele Menschen aus den falschen Gründen sich selbst der Nächste sind.

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