Chihiros Reise ins Zauberland

Seit 10.10.2014  auf Blu-ray im Handel erhältlich. Verleih: Universum Film

1997 markierte der Film Prinzessin Mononoke den internationalen Durchbruch für das japanische Trickfilm-Studio „Ghibli“. Aus dieser Kreativschmiede stammen seit 1985, eher märchenhafte und zu Weilen auch tiefgründige Animes. Außerhalb der Landesgrenzen Japans, war diese Form des Zeichentricks eher für brutale Action- und Horrorfantasien bekannt. Ghibli zeigte der westlichen Welt, dass es auch eine andere Art der Geschichtenerzählung gab und war in den Programmkinos ab Mitte der 90er Jahre sehr erfolgreich. Drei Jahre später sollte dann das Werk Chihiros Reise ins Zauberland einen wahren Hype auslösen. Es gewann den goldenen Bären in Berlin und den Oscar in Los Angelas. Das führte dazu, dass der Streifen auch in Multiplex-Kinos zu sehen war und bis heute als Aushängeschild des japanischen Kinderfilms gilt.

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ChihiroFür Kinder aus den westlichen Kulturkreisen bleibt der Zauber der asiatischen Mystik aber oft verschlossen. Disney hat die Sehgewohnheiten und Ansprüche diesbezüglich stark geprägt und die detailreichere Animation der amerikanischen Trickfilme wurde zum Standard. Das Kernpublikum waren somit Erwachsenere, die die hintergründigen Inhalte schätzten.

In Chihiros Reise ins Zauberland begibt sich das titelgebende zehnjährige Mädchen Chihiro, gemeinsam mit ihren Eltern, in einen verlassenen Vergnügungspark. Zu Beginn sind die Straßen und Plätze wie leer gefegt, als es jedoch dunkel wird drängen sich Geister und beängstigende Kreaturen um die kleine Chihiro. Menschen sind in dieser, sich plötzlich offenbarenden Zauberwelt, nicht erwünscht. Verwirrt und voller Furcht kann sie schnell auf die Hilfe eines jungen Mannes zählen, der sie durch die fremde Welt begleitet. Ihren Eltern ergeht es dabei wesentlich schlechter. Eine mächtige Hexe hat sie in Schweine verzaubert und hält sie fortan in einem Stall gefangen. Um sie von diesem Fluch zu erlösen muss sich Chihiro erst einmal in der neuen Umgebung behaupten, die ihr größten teils negativ gegenüber steht.

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Hayao Miazaki ist seit der ersten Stunde Stammregisseur und Autor im Ghibli-Studio. In der komplexen Geschichte geht es vordergründig um die Suche nach den verlorenen Eltern und der Geborgenheit in der Familie. Ein schwaches jammerndes Mädchen wächst zu einer mutigen Kämpferin heran um sich selbst und Andere aus einer bedrohlichen Gefahr zu retten. Daneben erscheinen immer wieder Verweise auf Umweltverschmutzung und die Folgen der Maßlosigkeit. Diese Motive tauchen immer wieder in den Arbeiten des Filmemachers auf und sind auch, wenn man soll will, ein Markenzeichen des Studios. Der Umgang mit Natur und Mensch, Vorschritt und Tradition sind wichtige Themen in der japanischen Kultur.

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Beeindruckend sind die zeichnerischen Effekte, die besonders bei Licht- und Reflexionseffekten zu erleben sind. Manche Bewegungsabläufe erwecken den Anschien, man sehe einen Realfilm. Staunen darf man auch über die dabei entstehende Tiefenwirkung des Bildes, ganz ohne 3D.

Man benötigt keine besonderen Kenntnisse der fernöstlichen Mythologie oder Symbolik um Chihiros Reise ins Zauberland zu verstehen. Humor und Albernheiten erwarten einen jedoch nicht. Dezent sind witzige Momente gesetzt worden, aber für den geneigten Cartoonjunk wird die Ansicht dieses Märchens wenig Befriedigung hervorrufen. Den Zuschauer erwartet ein elegant gezeichneter, nachdenklicher Film, der aber nicht verkopft ist. Über seine zwei Stunden Laufzeit wird das Niveau und Spannung stets gesteigert und verdichtet den Anime zu einem flüssigen Gesamtwerk.

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Die Auswertung auf Blu-ray Disc glänzt durch starke Farben und mit Kontrastreichtum in den dunklen Sequenzen. Im Bonusmaterial finden sich ein Storyboard-Vergleich und ein Interview mit Nina Hagen. Sie hatte zwei Sprechrollen und bei einem Feature darf man ihr auch bei der Synchronisation ihrer Figuren zusehen. Diese Veröffentlichung ist für Sammler und Anime-Fans ein Muss, für Interessierte eine Empfehlung.

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4 Gedanken zu „Chihiros Reise ins Zauberland

    1. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Kleiner Tipp. Am 20.11. startet in den deutschen Kinos „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ von Isao Takahata (Die letzten Glühwürmchen, Pom Poko, Meine Nachbarn die Yamadas). Die ersten bewegten Bilder sahen wundervoll aus.

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