The Unknown Known

Ab 09.10.14 auf DVD im Handel erhältlich.

In The Unknown Known bat der, mit dem Oscar für sein Werk The Fog of War ausgezeichnete, Dokumentarfilmer Errol Morris, den amerikanischen Politik-Veteran Donald Henry Rumsfeld zum Gespräch. Er ist die Hauptfigur und bleibt auch der einzige Interviewpartner in dieser beeindruckenden Ausleuchtung der US-amerikanischen Politik im Bezug auf Ursachen und Folgen ihrer initiierten Kriege. Der besprochene Zeitraum hält sich natürlich in den Grenzen von Rumsfelds politischer Karriere, nur selten wird auf frühere Ereignisse zurückgegriffen.

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Das Hauptaugenmerk liegt aber auf allem das, was nach den Anschlägen des 11. Septembers geschah. Durch zahllose Dokumentationen, die einem die öffentlichen Medien um die Ohren schlagen, könnte dies in den letzten Jahren, bei manch Einem zum verständlichen Desinteresse geführt haben. Immer sind es die selben Bilder, die zeigen wie die Flugzeuge in das World Trade Center hineinfliegen und sich in einem Feuerball aufzulösen scheinen. Schreiende Menschen auf den Straßen und hinten dran dürfen wir der, nach vagen Fakten ermittelten, Verfolgung der Verantwortlichen beiwohnen. Diesen Einheitsbrei mag auch Morris gestört haben und so gestaltete er seine Ermittlung gänzlich anders. Das brennende WTC spart er aus und auch vom üblichen Boulevard-Journalismus ist er weit entfernt. Es wird keine These erstellt oder Vermutungen begründet. Er beschloss direkt dort nachzufragen, wo alle Informationen zusammengetragen wurden und für das Volk gefiltert und womöglich verdreht weitergegeben wurden. Sein Gesprächspartner Rumsfeld war zu jener Zeit der Verteidigungsminister in der Bush-Regierung und der Chef im Pentagon.

In seiner Doku kritisiert Morris nicht, sondern lässt Rumsfeld reden. Er schreitet auch nicht ein, als dieser seine Fragen, für seine Zwecke umformuliert um somit einer, eventuell ungemütlichen, Antwort zu entgehen. Zwischen dem MCDUNKN EC039Interview bekommt man immer wieder Bildmaterial zu sehen, das noch nicht im TV totgesendet wurde und auf diesen Bildern spricht Mr. Rumsfeld seine eigens erarbeiteten Memos aus dem Off. Eine hohe Authentizität wird somit suggeriert, die selbst Danny Elfmans, teils zu epochal wirkenden Score, nicht zu brechen vermag. Allerdings bekommen wir natürlich nur die Sicht eines Secretary of Defense zu hören, der hinter seiner Regierung stand und diese hier auch verteidigt. Somit ist The Unknown Kown nicht die klärende Darstellung einer beispiellosen ungesicherten politischen Achterbahnfahrt, sondern ein Porträt von Donald Rumsfeld, der sich die Wurst nicht von der Stulle reißen lässt. Das wird besonders in den Stellungnahmen vor der Presse deutlich, die mit zu den interessantesten Momenten der dargebotenen Zeitgeschichte zählen.

Es ist erstaunlich wie sehr dieser Haudegen von einem Staatsmann sich manchmal selber widerspricht und die Aufdeckungen von WikiLeaks komplett ausblendet, die die Glaubwürdigkeit seiner Thesen gefährden. Diese Enthüllungen werden hier aber auch nicht erwähnt oder thematisiert, was irgendwie abgeklärt wirkt. Dieser Umstand schafft aber fast wieder einen positiven Eindruck, den er behaart auf seinem Statement, vielleicht sogar zu recht, aus Mangel an Informationen seinerseits. Aber wer weiß schon welche Fakten korrekt waren, in einer Zeit in der vieles gedehnt und verzerrt wurde, von Politik wie auch der Presse. Wenn Rumsfeld dann aber sein spitzbübiges Grinsen nach einer Ausführung aufsetzt, kann man sich schon denken dass hier nur die halbe Wahrheit gesprochen wurde.

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Der Titel spielt auf die Pressemitteilung Rumsfelds an, in der er der Welt erklärte das „bekannte Unbekannte“, „unbekannte Bekannte“ und noch andere Variablen dieser Spielerei existieren. Der Eine mag das für eine geniale Erklärung halten, der Andere für gezielte Verwirrung oder gar Beides. The Unknown Known wird die Lager bei diesem Thema nicht einen, noch mehr spalten. Es ist die Bestandsaufnahme eines gealterten Zeugen, die mit selten gezeigten Bildern einen hervorragenden Dokumentarfilm abbildet. Fernab eines klamaukigen Michael Moore und der Verbissenheit eines Guido Knopp, kann Morris mit seiner Betrachtung überzeugen. Auch wenn man am Ende nicht viel mehr weiß als vorher, ausgenommen jene die sich bislang nur sekundär mit dieser Materie beschäftigt haben.


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