Teenage Mutant Ninja Turtles

Mit Kindheitsnostalgie hält sich das neue Update des erfolgreichen Franchise nicht auf – die Turtles sind als alberne Hip-Hop-Schildkröten im neuen Jahrtausend angekommen.

Wer in den 1980ern aufgewachsen ist, kam kaum an ihnen vorbei: Zeichentrickserien, im Vormittagsprogramm der wenigen Kabelsender, die es damals gab. SCOOBY DO, HE MAN AND THE MASTERS OF THE UNIVERSE, SABER RIDER, CAPTAIN FUTURE und natürlich die TURTLES. Letztere wurden bereits zu Beginn der 1990er mit mehreren Spielfilmen (Turtles – Der Film, Turtles 2 – Das Geheimnis der Ooze & Turtles III) bedacht, das Franchise verkauft sich auch heute weltweit noch sehr gut. Seit 2012 strahlt Nickelodeon eine computeranimierte Neuauflage der Serie aus. So nimmt es nicht Wunder, dass nun auch ein Film in der neuen Optik die Kinokassen füllen soll, die neue Generation Turtles-Fans will bedient werden, die alten Fans wollen in Kindheitsnostalgie schwelgen. Der ursprüngliche Titelsong tönt leise im Hinterkopf: „Hey, jetzt kommen die Hero Turtles, superstarke Hero Turtles…“

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Dieser Ohrwurm wird jedoch schnell von Hip-Hop-Einheitssound übertönt – die Schildkröten-Teenager des Jahres 2014 sind mehr Kiddie-Rapper denn Ninjas, der Zeitgeist der youtube-Generation hat auch sie eingeholt. Ähnlich überdreht wirkt dann auch der gesamte Film. Die Handlung wird nebensächlich und dadurch zum lauwarmen Aufguss von sämtlichen TMNT-Folgen. Lediglich die Rahmenbedingungen werden aktualisiert: Splinter und die vier Turtles sind einem Genexperiment entsprungen, an welchem just April O’Neals (Megan Fox) Vater teilhatte, so wird sie zur altbekannten Vertrauten der Untergrundkämpfer. Der Film erkundet diese lang vergessene Freundschaft, nebenher wird auch noch die ebenfalls bekannte Foot-Gang bekämpft, ihre Geheimwaffe Shredder darf auch nicht fehlen. April ist ganz die investigative Reporterin, zückt ihr Handy in jeder noch so unwahrscheinlichen Situation, um mögliche News festzuhalten.

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Bei diesen altbekannten Eckpunkten wird schnell klar: Die Spannung wird sich in Grenzen halten. Der Turtles-Fan hofft zu Beginn noch, dass die Schildkröten neue Gags auf Lager haben und er mit gut gemachten Action-Szene bei Laune gehalten wird – vergeblich! Die einst charmanten, etwas verschrobenen, aber liebenswürdigen Slapstickeinlagen werden von bemüht in Teenagersprache verfassten, zu lauten Kalauern abgelöst. Selbst Will Arnett, der mit ARRESTED DEVELOPMENT mehr als bewiesen hat, dass er pointiertes Timing und Komiktalent besitzt, kann als Aprils Kollege die von den Drehbuchautoren offenbar schnell und lustlos hingeworfenen Witzchen nicht besser machen als sie sind.

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Doch fing der Film vielversprechend an. Die Turtles werden als nahezu unsichtbare, mysteriöse Hüter von Recht und Ordnung eingeführt, die zu schnell für Aprils Handykamera und den Blick des Zuschauers sind. Mit rasanten Videospiel-Perspektiven reihen sich die weiteren Kampfszenen in atemberaubendem Tempo aneinander. Dem Zuschauer bleibt kaum Zeit, kurz durchzuschnaufen, geistreiche Komik hat keinen Platz. Selbst die einzigen Pizzafeste im Untergrundversteck gerinnen zum Abklatsch: Eine kurze Szene wird den Schildkröten zugestanden und diese ist eins zu eins aus dem Film von 1990 übernommen. Spätestens hier steht fest, dass es den Machern des Films – es kommt nicht von ungefähr, dass Michael Bay produziert hat – ausschließlich einem bunten Action-Spektakel gelegen ist. So wird TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES zur kurzlebigen Jump’n’Run-Unterhaltung. Allerdings bleibt unklar, für wen der Film letztendlich gedacht ist – dem alten Fan wird diese schon fast lieblos abgelieferte Version nicht viel Neues bieten. Das Motion Capture Verfahren und die poppige Animation können die inszenatorischen Defizite nicht auffangen, lediglich Shredder ist als Mischung aus Transformer und Sauron ein kurzer Hingucker, die übrigen CGIs sind kaum der Rede wert. Die junge Generation – der Film wird als FSK 12 erscheinen – wird möglicherweise die ihr unbekannte Story mit etwas Spannung verfolgen können, wäre aber, sowohl was die Handlung als auch die CGIs angeht, mit der TRANSFORMERS-Franchise besser beraten und unterhalten. Am Ende verhallt die einstige Titelmelodie ungehört und missachtet: „… immer auf der Lauer und immer etwas schlauer“ sind diese aggressiv bunten Turtles leider nicht.


Teenage Mutant Ninja Turtles, USA 2014 – Regie: Jonathan Liebesman. Drehbuch: John Applebaum, André Nemec. Kamera: Lula Carvalho. Darsteller: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner. Verleih: Paramount Pictures Germany, 101 Minuten. Kinostart: 16.10.2014.

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2 Gedanken zu „Teenage Mutant Ninja Turtles

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