Die Verfluchten – Der Untergang des Hauses Usher

Seit 05.09.2014 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Roger Corman gehört wohl zu den Filmemachern, denen tatsächlich ein Denkmal in Hollywood zustehen würde. Obwohl die meisten seiner aktuelleren Werke im unteren B-Movie-Segment zu finden sind (Piranhaconda, Sharktopus, Dinocroc vs. Supergator), hat er den amerikanischen Film maßgeblich geprägt. Das bewerkstelligte er nur mäßig mit seinen eigenen Produktionen, doch war seine Produktionsfirma das Sprungbrett für Regisseure wie James Cameron, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola oder Joe Dante. Auch Jack Nicholson steht, wie er selbst oft berichtet, in der Schuld des Trash-Meisters. Er war zum Beginn seiner Schauspielkarriere der einzige im Business, der ihm Arbeit gab. Seine Leistungen wurden nie gebührend anerkannt. 2010 hat man ihm einen Ehrenoscar zugestanden, aber diese Kategorie war mir schon immer mehr als „Hier-hast-du-auch-was“- Preis erschienen.

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Mitte der 1950er Jahre startete Corman als Regisseur beim Film. Zu seinen hochwertigsten Arbeiten gehörten ab 1960 die Verfilmungen der Erzählungen seines Lieblingsautors Edgar Allan Poe. Sieben Horrormärchen inszenierte er nach den Geschichten des amerikanischen Schriftstellers, der im 19 Jahrhundert mit seinen morbiden Fantasien einen kalten Schauer über die Welt schleichen ließ. The Fall oft he House of Usher war die erste filmische Umsetzung von Corman und ist in Deutschland unter dem Titel Die Verfluchten – Der Untergang des Hauses Usher bekannt.

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Philip Winthrop (Mark Damon) ist auf dem Weg zum Landsitz der Familie Usher. Dort möchte er seine Verlobte abholen, die er schon lange vermisst, seit sie ihren Heimatbesuch antrat. Das Anwesen ist ein marodes Schloss, erbaut in einem Moor. Es erweckt den Anschein, jeden Moment zusammenzufallen. Nachdem er sich Einlass beim Butler erkämpft hat, muss er zuerst mit dem äußerst unsympathischen Roderick (Vincent Price), seiner liebsten Madeline ihr Bruder, eine Diskussion ausfechten. Er wünscht die sofortige Abreise des jungen Mannes, er fordert ihn zusätzlich auf seine Schwester aus dem Gedächtnis zu streichen. Der Grund sein ein Fluch der auf ihrer Familie laste und deshalb soll seine Sippe, wenn es nach ihm geht, aussterben. Als er dann doch seine Madeline sehen kann, geschähen eigenartige Begebenheiten, die der kontrollbesessene Roderick als Auswirkung des mysteriösen Erbes deutet. Als Madeline dann auch noch spurlos verschwindet, beginnt Philip in dem furchteinflößenden Gemäuer nach der Wahrheit zu suchen.

In Cinemascope und Color wurde Cormans bis dahin größte Produktion verwirklicht. In vielen Bereichen bleibt er klassisch. Die Bühnenbilder und Kostüme sind opulent gestaltet und erzeugen ein wohliges Gefühl von Gemütlichkeit, das wenig später vom Schrecken erobert werden soll. Das einspielen von kreischenden Geigen bei Schockmomenten, während die Kamera auf die erschrockenen Gesichter zufährt, ist genau so prägnant für den klassischen Horrorfilm, wie das Mimenspiel eines Vincent Price, an dessen darstellerischen Fähigkeiten ein Shakespeare seine Freude gehabt hätte. Die mit dem Holzhammer herbei zitierte Bedrohlichkeit bewirkt natürlich heute kaum noch Eindruck beim Publikum, aber die Stärken dieses Streifens liegen in den Schauwerten. Diese liegen eben bei der Ausstattung, den Effekten und Fotomontagen, die diesen atmosphärischen Gruselmeilenstein zusätzlich aufreizen. Eine wirre Traumsequenz von Philip Winthrop erinnert in seinem inszenatorischen Stil auch an Stummfilme und bietet so ein weiteres Element vergangener Zeit. Die Ähnlichkeit zu den anderen Poe-Filmen ist unverkennbar, griffen Corman und seine Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff von „American International Pictures“ doch immer wieder auf die selben Zutaten zurück, die von Anfang an zu wirken schienen. Das sie es dennoch schafften all diesen Werken einen eigenen Charme zu verpassen, kommt einem Kunststück gleich. Die Verfluchten – Der Untergang des Hauses Usher ist eine Perle im Horrorgenre und bietet, zusammen mit seinen Verwandten, eine Abwechslung zum Monster-Horror der 30er und 60er Jahre, ganz ohne Wilde Kreaturen, denn bei Poe regiert der Wahnsinn der Menschen und ihre Hirngespinste.


Explosive Media ermöglicht nun die Sichtung von Die Verfluchten erstmals auf Blu-Ray Disc. Mit interessanten Extras und einem, trotz seiner Kürze, sehr informatives Booklet ist diese Auswertung gelungen und die Qualitätssteigerung von Bild und Ton, seit den DVD-Release von MGM, ist beachtlich.

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