Rolls Royce Baby

Auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

„Ich will mich ganz freimachen, ganz nackt, wie ein kleines Mädchen. Ich will jedem Mann das Gefühl geben, er sei der erste, der mich besitzt und ich hoffe es werden viele sein, hunderte, tausend und mehr die mich immer und immer wieder bei Tag und bei Nacht..Männer, Mädchen, starke Männer.“

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Während sie diese Worte aus dem Off säuselt, eröffnet Hauptdarstellerin und gleichzeitig einzig wirklich wichtige Protagonistin Lina Romay den Film Rolls Royce Baby mit einer ausgiebigen Intimrasur mit Pinsel, Schaum und Rasiermesser. Die wenigsten der Zuschauer, sicher vorwiegend männlicher Natur, werden dabei bemerken, dass die Schambehaarung auch vorher quasi nicht vorhanden war und das harte Vorgehen, der mit Sicherheit stumpfen Klinge, nur eine filmische Illusion ist. Zu sehr ist man da schon beschäftigt, so viel wie möglich von dem zu erkennen, was die attraktive junge Dame unterhalb ihrer Gürtellinie der Kamera ausgiebig anpreist. Denn viel mehr wird man in Rolls Royce Baby auch nicht finden, ist die Handlung doch mehr als überschaubar. Im Grunde wechseln sich Szenen ab, in denen Sexstar Lisa Romay (was für eine kreative Hommage) in ihrem Anwesen masturbiert, bei Fotoshootings neue Aktaufnahmen anfertigen lässt oder vor allem mit ihrem Rolls Royce durch die Gegend fährt um sich am nächstbesten Tramper zu verlustieren. Auch vor Frauen wird nicht haltgemacht, wie es ja schon das oben stehende Zitat andeutet. Einzige Handlungsvariationen bieten letztendlich zwei Szenen. Eine davon ist, wie sie ihren Chauffeur (Erik Falk) kennenlernt und für diese Aufgabe rekrutiert. Bei der Sequenz wird schnell klar, dass er seine zukünftige Position nicht etwa aufgrund guter Fahrkünste und eines vorbildlichen Benehmens bekommt, sondern eher weil er gut gebaut ist und sich auch im Bereich der Fellatio bestens auszukennen scheint.

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Später bekommt der Zuschauer in der zweiten Szene, die sich vom Rest des Films in gewisser Weise abhebt, noch die Erklärung, wie aus Lisa Romay das Rolls Royce Baby wurde. Denn einst war sie arm und immer unterwegs, trampte von Stadt zu Stadt und hatte lediglich ihren Körper als Zahlungsmittel dabei. Nicht gerade widerwillig um nicht zu sagen eigeninitiativisch gibt sie sich da zwei Truckfahrern hin, immer schön abwechselnd und immer mit vollem Körpereinsatz, bevor sie nach geschobenen Nummern nackt und entledigt um ihr weniges Hab und Gut am Straßenrand ausgesetzt wird. Nicht wirklich nett und schon gar nicht dankbar. In Zukunft muss das anders sein. Und das obwohl auf der Rückbank auch schon mal richtig ein Schwanz geblasen wird, allerdings nur bis dieser einen Härtegrad erreicht hat, der den Film noch als Softsex durchgehen lässt. Zu wirklich geschlechtlicher Penetration kommt es auch nicht und durfte es auch nicht kommen, was die gleiche Szene wenig später beweist. Denn während das Baby sichtlich bemüht einen der Truckerfahrer zureitet, zerstört dessen schlaff auf seinem Bauch liegendes Genital die Illusion bis er den Umstand bemerkt und wenigstens die Hand dazwischen schiebt. Das lässt die Szene unfreiwillig komisch, bis billig wirken und wenigstens Hauskameramann Andreas Demmer oder der Cutter im Studio hätte es merken können.

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Andererseits sind es genau solche Unzulänglichkeiten, aus denen viele Filme aus dem Hause Dietrich ihren ganz eigenen Charme ziehen. Denn im Grunde reiht sich Rolls Royce Baby nahezu ein in die Riege schnell und günstig produzierter Bahnhofskino-Streifen, um den größer werdenden Bedarf an nackter Haut in den 1970ern zu befriedigen. Die Akteure vor und hinter der Kamera waren oft die selben, genau wie die genutzten Schauplätze und Sets, damit in kürzester Zeit eine Menge Material entstehen konnte. Auf Details wurde wenig Wert gelegt und so kommt es letztendlich auch dazu, dass es schwer fällt, einzelne Highlights aus Dietrichs Oevre herauszugreifen. Dies hat der Schweizer gemein mit seinem temporären Arbeitspartner Jesus Franco, mit dem er sich für eine kurze aber intensiven Phase der Zusammenarbeit in den zweiten Hälfte der 1970er Jahren zusammenschloss. Was Rolls Royce Baby dann vielleicht doch abhebt vom übrigen Output-Dietrichs ist seine Hauptdarstellerin. Denn die „Leihgabe“, ewige Franco-Muse und spätere Ehefrau verhilft dem Film allein durch ihre natürliche Schönheit und Zeigefreudigkeit zu dem besonderen Etwas und versprüht auch einen wirklichen Hauch Erotik. Ihre diversen schnauzbärtigen und wenig ansehnlichen Gespielen tragen da eher wenig zu bei. Aber damals schien man im Gegensatz zum durchgestylten Heute noch nicht so viel Wert auf eine knackige männliche Besetzung gelegt zu haben. Einzig Chauffeur und Dietrich-Inventar Erik Falk zeigt, dass ein Film dieser Bauart durchaus auch visuelle Reize für Damen bereithalten konnte.

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Dem ehemaligen Kampfsportler obliegt es dann auch, wie so oft bei den aktuellen Veröffentlichungen der Erwin C. Dietrich Collection aus dem Hause Ascot Elite, in den Film einzuführen. Dies tut er wie gewohnt auf seine ureigene Weise, was mit Qualität so viel zu tun hat, wie die meisten Produktionen des Schweizers mit Arthouse, aber ungemein unterhaltsam daherkommt. Auch in den Extras ist er zu finden, u.a. in einer kurzen Featurette, in der auch ein sichtlich vom Alter gezeichneter Erwin C. Dietrich und die im Jahr 2012 verstorbene Lina Romay zu Wort kommen. Fotogalerie, Original Kino-Trailer, ein weiteres Interview und eine Trailershow runden die Extras ab.


Somit bleibt der Film und die Veröffentlichung für Sammler, sowie Dietrich-Liebhaber und Forscher ein unverzichtbarer Eckpfeiler aus dessen Schaffen, mit nur wenig Alleinstellungswert, aber trotzdem ungemein wichtig für das große Ganze. Denn selten lag einer seiner Filme so sehr auf der Grenze zwischen Softsex und Hardcore, während sonst eine Zuordnung meist eindeutiger ausfiel.

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