To kill a Man

Ab 01.08.2014 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Revenge-Filme laufen häufig auf ein gewaltentladendes Finale zu, in welchem der oder die Gepeinigte triumphieren kann. Auf diese merkwürde Form eines Happy Ends verzichtet der chilenische Filmemacher Alejandro Fernández Almendras und betrachtet, zu mindestens das Danach, von einer bisher selten gesehenen Seite.

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20002_DVD_WRAP_OUTSIDEJorge und seine Familie werden in ihrem Wohnviertel von einer Riege gewaltbereiter Halbstarker regelmäßig verfolgt und schikaniert. Als man ihm schließlich auch noch sein Blutzuckermessgerät auf offener Straße entwendet, versucht sein Sohn es zurück zu holen. Dabei wird er schwer verletzt, der Kopf der Bande kann verurteilt werden. Nach kurzer Zeit ist der aber wieder auf freiem Fuß und nutzt jede mögliche Gelegenheit um seine Anschläge auf die, mittlerweile auseinander gebrochene Familie, zu konzentrieren. Das reicht hin, bis zur versuchten Vergewaltigung von Jorges Tochter. Der wütende Vater mobilisiert all seine unterdrückte Wut, entführt den Chefschläger und bekommt seine Rache.

An dieser Stelle befindet sich das Rachedrama aber erst in der Mitte seiner Erzählung. Nun muss sich Jorge mit seiner Tat, die ihm die vermeintliche Gerechtigkeit einbringen sollte, auseinandersetzen. To kill a Man ist eine soziale Betrachtungsweise, auf die Mittel und die Resultate der Handlungen, eines verzweifelten Mannes und keine, im Genre eher übliche, Schlachtpartie. Der Realismus ist auch kein Zufall, inspirierte Almendras doch ein Nachrichtenbeitrag im Fernsehen zu diesem Werk. In seiner Interpretation dieser wahren Geschichte, gibt es keine Hektik. Ruhig und ohne viel Geschwindigkeit zeigt er das Leben aller Charaktere. Selbst der Mord an seinem Tyrannen wirkt eher unspektakulär und passt sich so dem Gesamtwerk optimal an. Das ist aber kein negativer Punkt, sondern gerade in diesen Momenten wird eine fesselnde Atmosphäre aufgebaut. Als herausragend erweist sich dabei das Entführungsszenario vor dem Mord am kriminellen Lokalmatador, welches durch einen sehr eindrucksvollen Oneshot inszeniert wurde.

Bis es dazu kommt erlebt der Betrachter einen schwachen Antihelden ohne Durchsetzungsvermögen als Leitfigur. Interessant ist hier eben der Umstand, dass gezeigt wird, wie es weiter gehen könnte, wo andere den Abspann laufen lassen. Nach dem Mord verlässt Jorge wieder die physische, brachiale Kraft. Dafür findet er eine andere viel wichtigere Seite an sich: Ehrlichkeit.

Eine weitere bemerkenswerte Arbeit, ist des Kameramanns Inti Briones. Er fängt dabei immer wieder, mit dem Verzicht auf kinetische Spielereien, wunderbar die Drehorte ein. Sei es die Küste oder der Wald in dem Jorge arbeitet, diese Schauplätze bieten einen schönen Kontrast zur bitteren Erzählung.

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Auf dem Sundance Film Festival konnte Matar a un hombre (so der Originaltitel) dieses Jahr schon den Großen Preis der Jury abräumen. Das ist eine berechtigte Bestätigung für die vorliegende Leistung.

Die Veröffentlichung von Pierrot le Fou und Alive bietet in den Extras ein informatives Interview mit dem Regisseur, Delected Scenes und ein Making of, welches beiläufige Eindrücke vom Set zeigt.

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