Sabotaging Hitchcock

Vom 19. bis 21. Juni veranstalten Dr. Wieland Schwanebeck und die Professur für Englische Literaturwissenschaft der TU Dresden eine internationale filmwissenschaftliche Tagung zum Thema Sabotaging ‚Hitchcock‘, von der neue Impulse nicht nur für die deutschsprachige Hitchcock-Forschung zu erwarten sind.

hitchcockWurde der britische Regisseur unter seinen Zeitgenossen eher als Großmeister des makabren Spannungskinos denn als ernstzunehmender Künstler gefeiert, wandelte sich seine Rezeption seit den 1950er-Jahren drastisch. Von der These geleitet, dass Hitchcock eben nicht nur gutgemachte Unterhaltung, sondern vielmehr ein vielschichtiges Œuvre geschaffen hat, begründeten junge französische Filmtheoretiker und Journalisten wie Claude Chabrol und François Truffaut schließlich die moderne Filmwissenschaft. Die nahezu ungebrochene Verehrung und der regelrechte Kult rund um den Filmemacher haben allerdings dazu geführt, dass sich die Hitchcock-Forschung bis in die Gegenwart innerhalb festgesetzter Grenzen bewegt und sich an hartnäckigen Mythen abarbeitet, an denen der glänzende Selbstvermarkter Hitchcock nicht schuldlos ist. So dominiert das Bild vom visionären Filmemacher mit dem katholischen Trauma nach wie vor die im Geniekult erstarrte Forschungsliteratur. Marginalisiert werden v.a. hierzulande im Gegensatz zu den biographischen Legenden zudem noch immer die Rolle von Hitchcocks Mitarbeitern sowie sein Frühwerk.

In Dresden, wo bereits in den vergangenen Semestern immer wieder Lehrveranstaltungen rund um die britische Filmgeschichte angeboten wurden, werden 20 Expert_innen, darunter deutschsprachige Film- und Kulturwissenschaftler_innen wie Claudia Bullerjahn (Gießen) und Marcus Stiglegger (Siegen) gemeinsam mit renommierten britischen Fachkollegen wie Charles Barr (Dublin) und Mark Glancy (London) Hitchcocks Werk kritisch in den Blick nehmen. Gefragt wird dabei u.a., welche Rolle Hitchcocks Lehrjahre in Deutschland für seine Entwicklung spielten, welcher Stellenwert seinen Drehbuchautoren, Kameramännern und Komponisten zukommt, und welche Plotformeln und Frauenbilder Hitchcocks Erzählen bestimmen. Ferner widmet sich die Tagung, die mit dem 75. Jahrestag von Hitchcocks Abschied aus Großbritannien und dem Beginn seiner Hollywood-Karriere im Jahr 1939 zusammenfällt, Schwerpunkten wie den häufig nachrangig behandelten britischen Werken, den Fernseharbeiten sowie den von Hitchcock adaptierten literarischen Vorlagen.

Der Besuch der Konferenz, die im Festsaal im Rektorat der TU Dresden, Mommsenstraße 11 (19./20. Juni) sowie im Gebäude der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in der Wiener Straße 48, Raum 004 (21. Juni) stattfinden wird, ist kostenfrei und steht allen interessierten Besucher_innen offen. Um eine formlose Anmeldung wird gebeten. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Abgerundet wird das Programm von einer Filmvorführung im Ufa-Kristallpalast Dresden. Am 19. Juni wird dort Das Fenster zum Hof (in der englischen Originalfassung) zu sehen sein.

Die Tagung wird gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung sowie durch den British Council. — Autor: Wieland Schwanebeck — Quelle: link


Programm:


 

Donnerstag, 19. Juni 2014
Festsaal im Rektorat, Mommsenstr. 11

16:00 Uhr – Grußworte

  • Christian Prunitsch (Dekan der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, Dresden)
  • Stefan Horlacher (Professur für Englische Literaturwissenschaft, Dresden)

Eröffnung der Konferenz

  • Wieland Schwanebeck (Dresden) – „Sabotaging ‚Hitchcock'“

16:30 Uhr – Keynote-Vortrag

  • Charles Barr (Dublin) – „Alfred Hitchcock: Untold Stories“

18:00 Uhr – Sektempfang

20:30 Uhr – Filmscreening: Rear Window (1954) im UFA-Kristallpalast, St. Petersburger Str. 24a (Tickets direkt im Kino erhältlich)


 

Freitag, 20. Juni 2014
Festsaal im Rektorat, Mommsenstr. 11

09:30 Uhr  – Panel I: Becoming ‚Hitchcock‘
Moderation: Thomas Kühn (Dresden)

  • Andy Räder (Rostock) – „Jack of All Trades: Alfred Hitchcock in Neubabelsberg 1924/25“
  • Stefan Jung (Freiberg) – „The Lodger als Basis von Hitchcocks Erzählen“
  • Claudia Bullerjahn (Gießen) – „Musik und Sound beim frühen Hitchcock“

11:15 Uhr – Kaffeepause

11:45 Uhr – Keynote-Vortrag

  • Mark Glancy (London) – „Politicizing the Thriller in the 1930s: Alfred Hitchcock at Gaumont-British“

13:00 Uhr – Mittagspause

14:00 Uhr – Panel II: Trademark ‚Hitchcock‘
Moderation: Stefan Horlacher (Dresden)

  • Ralf Heiner Heinke (Dresden) – „Zwischen Caméra-Stylo und Bildgestaltung: Hitchcocks Kameramänner“
  • Sulgi Lie (Berlin) – „Phantasmagorien der Farbe: Hitchcocks Kolorismus“
  • Hans-Ulrich Mohr (Dresden) – „Hitchcock‘s Plotting“
  • Marcus Stiglegger (Mainz) – „‚Just Another English Murder‘: Alfred Hitchcocks Frenzy als seduktiver Metafilm“

16:30 Uhr – Kaffeepause

17:00 Uhr – Panel III: ‚Hitchcock‘ in the US
Moderation: Hans-Ulrich Mohr (Dresden)

  • Eckhard Pabst (Kiel) – „Sehen und Konstruieren: Anmerkungen zu Scotties Blicken auf Madeleine in Vertigo“
  • Gesine Wegner (Dresden) – „Before the Scream: Women and Hitchcock in the 1940s and 1950s“
  • Michael Flintrop (Braunschweig) – „Suspenseful on TV: Die Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock“

19:00 Uhr – Abendessen


 

Samstag, 21. Juni 2014
Wiener Str. 48, Hörsaal 004

09:30 Uhr – Panel IV: ‚Hitchcock‘ and Adaptation
Moderation: Bettina Schötz (Dresden)

  • Heiko Nemitz (Dresden) – „Die erste böse Mutter: Hitchcocks Adaptionsleistung am Beispiel von Easy Virtue (1927) im Spiegel seiner Neuinterpretation“
  • Dominik Orth (Hamburg) – „Literatur als Fundgrube: Hitchcocks Adaptionen in der späten britischen Phase“
  • Stefan Borsos (Köln) – „Dial M for Murder, Melodrama and Music(al): Hitchcock Seen through the Prism of Transcultural Adaptations from Hong Kong and India“

11:15 Uhr – Kaffeepause

11:45 Uhr – Panel V: The ‚Hitchcock‘ Legacy
Moderation: Wieland Schwanebeck (Dresden)

  • Nadine Seligmann (Linz) – „‚If I Won‘t Be Myself, Who Will?‘ Alfred Hitchcock’s Star Performances“
  • Willem Strank (Kiel) – „‚A Surprising Lack of Suspense‘: Hitchcock‘s Endings“

13:00 Uhr – Konferenzabschluss

Bitte beachten Sie: Die öffentliche Tagung wird in deutscher und englischer Sprache ausgerichtet. Die Tagungsteilnahme ist kostenlos. Um formlose Anmeldung per E-Mail wird gebeten.

wieland.schwanebeck@tu-dresden.de

Das Programm zum Download als PDF. hier

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